PANEL 48 (AG MUSEUM)
Konflikte musealisieren? Die Institution Museum im Spannungsfeld gesellschaftlicher Krisen
Freitag, 2.10.2015, 9:00-10:30 Uhr, Raum +1/0010 (Philipps-Universität Marburg)

 

Die Verortung der Dinge — Ethnologische Museen zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik

Die öffentliche Wahrnehmung des Faches Ethnologie scheint – gerade angesichts der eher seltenen Teilnahme von Ethnologen an öffentlichen, insbesondere in den Medien geführten Debatten – wesentlich durch ethnologische Museen geprägt. Dabei stellt sich die Frage: Wie können die Museen mit ihren historisch geprägten Sammlungen die Komplexität und vor allem die Aktualität des Faches heute vertreten? Und gegenüber wem eigentlich? Wen adressieren ethnologische Museen und ethnographische Sammlungen – Besucher vor Ort, diasporische Gemeinschaften, source communities der Herkunftsländer der Objekte –, und wie?

Eine alte Institution neu gedacht: Neuaufstellungen ethnologischer Sammlungen in den letzten Jahren

Die ethnologische Museumslandschaft in Deutschland und in Europa ist derzeit im Wandel begriffen. Seit der Jahrtausendwende wurden mehrere Häuser neugebaut und eingerichtet, wurden Sammlungen umstrukturiert und Dauerausstellungen neu konzipiert (Göteborg 2004, Paris 2006, Leipzig 2005‐2009, Köln 2010, Basel 2011, Frankfurt und Berlin aktuell). Dabei verfolg(t)en die betreffenden Museen teils sehr unterschiedliche Ansätze, von einer thematisch-kulturvergleichenden Perspektive (Köln) über eine Aus-richtung an Fragen zu kultureller Diversität und sozialer Inklusion (Göteburg) bis hin zur Bevorzugung künstlerischer Sichtweisen auf musealisierte Artefakte (Frankfurt).

Das Ethnologische Museum als Forschungsfeld

Das Museum erlebt seit einigen Jahren in der ethnologischen Forschung eine Renaissance und rückt auch im universitären Bereich wieder stärker in den Fokus. Dabei werden nicht nur die Sammlungen in den Museen wieder mehr zum Gegenstand von Diskursen, sondern auch das Museum selbst erfährt als Forschungsfeld zunehmendes Interesse. Aufgrund der Position der Museen als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit eröffnen sich multivokale Ansätze und unterschiedlichste Fragestellungen für dieses Forschungsfeld: Ethnologische Museen werden unter anderem als Orte der Inklusion und Exklusion untersucht, als Bühnen der Repräsentation und Performanz, als Schauplätze der Inszenierung von Fremdheit und Identität, als Arenen zwischen Wissenschaft und Markt, als Orte der Wissenschaftsgeschichte.
Der Workshop soll neben grundlegenden Einblicken in die aktuellen Diskurse in Museumspraxis und -forschung auch Erkenntnisse über Perspektiven Ethnologischer Museen im 21. Jahrhundert ermöglichen.

Das ethnologische Museum – Paradigmen, Perspektiven und Projekte

Da die „AG Museum“ eine Öffnung hin zu einer „AG Museumsethnologie“ und somit eine Erweiterung seiner Mitglieder, Interessenten und Themen anstrebt, soll der diesjährige Zwischenworkshop der „AG Museum“ im Münchner Völkerkundemuseum vor allem als Forum für Diskussionen und zum gegenseitigen Austausch dienen.