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Kulturelle Vielfalt im Museum: Sammeln - Ausstellen - Vermitteln
Thursday, 26. February 2015, 10:00 - 18:00
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Im folgenden Kurzinterview stellen Dr. Lorraine Bluche und Dr. Frauke Miera, die das Modul “Sammlungen neu sichten” entwickelt haben und nun leiten, das Konzept vor:

Was ist die Grundidee von „Sammlungen neu sichten“?

„In unserem Museum gibt es nichts zum Thema Migration. Dazu haben wir bisher nicht gesammelt“ – davon gehen viele Museen in Deutschland aus. Unsere Ausgangsthese für dieses Modul ist hingegen, dass fast alle bestehenden Sammlungen der Museen Geschichten über die jahrhundertelange Diversität der Gesellschaft enthalten. Um diese Geschichten zu entdecken, ist es allerdings  erforderlich, die gängige Sammlungs- und Dokumentationspraxis zu hinterfragen und neue Zugänge zu musealen Sammlungen zu finden.

Wie kann ein solch neuer Zugang konkret aussehen?

In dem Modul geht es um zweierlei: Zunächst richten die Museumsmitarbeiter und -mitarbeiterinnen selbst den Blick mit neuen Fragen auf ihre Sammlungen. Sie fragen sich also, was ihre Objekte zu Migration und Kultureller Vielfalt möglicherweise aussagen, was aber bisher so nicht gesehen und dokumentiert wurde. Zweitens ist es für uns zentral, mit sogenannten Fokusgruppen zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, museumsexterne Personen – mit und ohne Migrationshintergrund – werden von den Museen eingeladen, die Museumsobjekte zu sichten, zu kommentieren, Fragen zu stellen, Wissen beizutragen. Diese Methode geht teilweise auf das Konzept „Revisiting Collections“ aus Großbritannien zurück. Durch die Diskussionsrunden entstehen neue Perspektiven auf die Sammlungsbestände, die Vielschichtigkeit der Objekte tritt stärker zutage und bisherige Sammlungs- und Dokumentationspraxen können hinterfragt und verbessert werden. Diese Methode haben wir bereits 2010/2011 im Rahmen des vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Projekts „Migration macht Geschichte“ am Berliner Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg erfolgreich erprobt (mehr Informationen finden Sie hier).

Wie läuft das Modul ab und welche Rolle spielen Sie dabei?

Die Museen durchlaufen vor Ort verschiedene Projektphasen, die man folgendermaßen zusammenfassen kann: 1) Auswahl der neu zu sichtenden Objekte bzw. Objektgruppen und Dokumentation bisherigen Wissens und offener Fragen hierüber; 2) Konzipierung der Zusammensetzung der Fokusgruppen; 3) Kontaktaufnahme zu den Fokusgruppen; 4) Neu-Sichtung der Museumsobjekte mit den Fokusgruppen; 5) Auswertung und Sichtbarmachen der Ergebnisse. Das geschieht weitestgehend parallel; jedes Museum gestaltet aber sein Projekt je nach den ausgewählten Objektgruppen, seinen Zielen und Möglichkeiten individuell. Von November 2012 bis März 2014 treffen wir uns insgesamt fünf Mal im Rahmen von Workshops bzw. Arbeitstreffen mit allen beteiligten Museen. Hier werden die verschiedenen Schritte im Austausch miteinander vor- und nachbereitet. Wir geben Inputs zu bestimmten Themen, verstehen uns aber vor allem als Begleitung und Beratung der Museen bei der Entwicklung ihrer Projekte vor Ort.

In welcher Form werden die Ergebnisse öffentlich gemacht?

Jedes Museum entscheidet für sich, in welcher Form die Ergebnisse des Moduls sichtbar gemacht werden. Wir finden es sehr gut, dass manche Museen beabsichtigen, die Ergebnisse in ihrer Dauerausstellung sichtbar zu machen. Dies kann z.B. durch eine entsprechende Objektbeschilderung geschehen, durch einen Audioguide und vieles mehr. Einige planen kleine Sonderausstellungen oder Veranstaltungen. Zusätzlich suchen wir Möglichkeiten, wie die gewonnenen Informationen langfristig für das Museum verfügbar bleiben können, z.B. durch entsprechende Einträge in den Inventarisierungssystemen. In jedem Fall werden die Erfahrungen aus dem Modul in den Leitfaden einfließen, den der Arbeitskreis Migration des Deutschen Museumsbunds derzeit erarbeitet.

Location Berlin: Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums